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04.05.2020 | APA

Deutlich niedrigere Dunkelziffer in zweiter Stichprobe

Angesichts von höchstens 11.000 Covid-19-Infizierten zusätzlich zu den Erkrankten in Spitälern Ende April sieht Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) Zeichen der Entspannung und einen "deutlichen Rückgang" gegenüber der ersten derartigen Studie. Diese hatte für Anfang April noch eine maximale Dunkelziffer von rund 60.000 Infizierten in der Bevölkerung über 16 Jahren ausgewiesen.

Bundesminister Faßmann (ÖVP) stellte die Ergebnisse vor
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APA

Das Ergebnis der zweiten repräsentativen Stichprobenuntersuchung stellte Faßmann am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz vor. Der Minister zeigte sich durch den Rückgang bei der Dunkelziffer erfreut und beruhigt, denn dieser Befund passe auch gut mit den offiziellen Infektions-Zahlen in den vergangenen Wochen zusammen. Das Virus habe also "die Bevölkerung nicht unbemerkt erfasst", so Faßmann.

Auf der anderen Seite sei jedoch auch "keine Bremse" für die weitere Ausbreitung eingebaut, wie die Ergebnisse einer weiteren am Montag präsentierten Studie zeigten, die in 27 Gemeinden Österreichs mit bisher vielen nachgewiesenen Covid-19-Infektionen durchgeführt wurde. Hier haben Antikörpertests ergeben, dass knapp unter fünf Prozent der dortigen Bevölkerung bereits eine Infektion durchgemacht hat. Damit sei man hier "weit von einer Herdenimmunität" und damit einer sozusagen natürlichen Barriere für die Ausbreitung entfernt, wie auch die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl von der Medizinischen Universität (MedUni) Wien betonte.

Für die zweite Studie hat Statistik Austria eine repräsentative Stichprobe von 2.800 Personen ab 16 Jahren ausgewählt und die Untersuchung zwischen 21. und 24. April in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz (ÖRK) sowie der Medizinischen Universität Wien durchgeführt. Die nunmehrige Schätzung für Gesamt-Österreich beruht auf den PCR-Testergebnissen von 1.432 Personen.

Der ersten Dunkelziffern-Studie zufolge waren Anfang April in Österreich zwischen 10.200 und 67.400 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Der wahrscheinlichste Wert lag bei 28.500 Infizierten, was 0,33 Prozent der Bevölkerung entspricht. Diese Zahl überstieg jene der zu dem Zeitpunkt nachgewiesenen Erkrankten in etwa um das Dreifache. Waren in der ersten Studie noch Kinder mit dabei, wurden in der zweiten nur über 16-Jährige getestet. Rechnet man die Werte der ersten Studie auf Personen ab 16 Jahren um, lag der Höchstwert in der ersten Studie bei 60.287 Infizierten, was rund 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung entspräche.

Nun liegt der höchste Wert bei 10.823 Infizierten, was lediglich rund 0,15 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 16 Jahren ausmacht. Hier handelt es sich um einen hochgerechneten Wert, denn von den 1.432 getesteten Personen war nur eine infiziert, wie die Studienprojektleiterin der Statistik Austria, Matea Paskvan, erklärte. Die so geschätzte Dunkelziffer übersteigt die Zahl an nachgewiesen Infizierten zum Testzeitpunkt um in etwa das Vier- bis Fünffache.

Zusätzlich zur Stichprobenuntersuchung wurde eine "experimentelle Validierungsstudie" für Antikörpertests durchgeführt und dafür eine Stichprobe von 540 Personen aus Risikogebieten mit bisher hohem Anteil an positiven Corona-Tests gezogen. Bei 269 Personen wurden schließlich gleichzeitig ein PCR-Test, ein Antikörper-Schnelltest und ein serologisches Testverfahren, bei dem Blut abgenommen wird, durchgeführt.

In den ausgewählten Gemeinden hatten im Schnitt 4,71 Prozent Antikörper gegen SARS-CoV-2 entwickelt. Das heißt, dass rund 1.900 Personen der insgesamt 40.000 Einwohner in diesen Risikogemeinden in den vergangenen Wochen eine Coronavirus-Infektion durchgemacht haben. Umgelegt auf die dortige Gesamtbevölkerung ergaben die PCR-Tests einen hochgerechneten Anteil an aktuell Infizierten von 0,75 Prozent.

Angesichts all dieser Erkenntnisse warnten sowohl Faßmann als auch Puchhammer-Stöckl vor der Gefahr einer zweiten Erkrankungswelle. Auch in einigermaßen vergleichbaren internationalen Studien bewegen sich die geschätzten Werte zur Durchseuchung in Hotspots kaum über zehn Prozent. Für eine Herdenimmunität, die die Ausbreitung zukünftig automatisch dämpft, müssten aber zwischen 40 und 60 Prozent der Bevölkerung bereits mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert worden sein, so die Virologin, die überhaupt ein Stück daran zweifelte, dass sich in Bezug auf dieses Virus eine stabile Herdenimmunität einstellen kann.

Ob sich die nun gelockerten Maßnahmen zur sozialen Distanzierung wieder in steigenden Fallzahlen niederschlagen, lasse sich vermutlich erst in rund drei Wochen genauer sagen. Aktuelle Entwicklungen, wie etwa leicht steigende Infizierten-Zahlen in Wien, müsse man genau beobachten, so Puchhammer-Stöckl.

Dazu gehört laut Faßman eine dritte repräsentative Stichprobenuntersuchung, die der Minister für Mitte Mai ankündigte. Auch aufgrund des "Lerneffekts" bezüglich der Vermeidung von Ansteckungen in der Bevölkerung hofft Faßmann auf eine "gebremste" etwaige zweite Welle.

Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmer auch über ihr Befinden, ihre Ängste und Einstellungen befragt. Dabei zeigte sich, dass zehn Prozent Angst vor finanziellen Problemen haben, sieben Prozent befürchten, sich zu infizieren, und sechs Prozent, jemanden in der Familie aufgrund einer Covid-19-Erkrankung zu verlieren. Die Ängste unterscheiden sich allerdings je nach Situation der Befragten: So haben 19 Prozent der Personen mit Kindern, die noch nicht zur Schule gehen, Angst vor finanziellen Problemen. Und bei Personen mit Vorerkrankungen fürchten zwölf Prozent, selbst am Coronavirus schwer zu erkranken, was bei allen anderen Gruppen eher als wenig wahrscheinlich eingeschätzt wurde (zwei Prozent).

Weit über 90 Prozent empfinden Maßnahmen wie Quarantäne in Krisengebieten, Abstandhalten, Veranstaltungsverbot oder das Tragen von Masken als angemessen. Geringer ist die Zustimmung zur allgemeinen Schließung von Geschäften (finden nur 69 Prozent als angemessen) oder zum Aufenthalt im Freien nur in Ausnahmefällen (56 Prozent).


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Verantwortlicher Redakteur: Hermann Mörwald Von der Redaktion recherchiert
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