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28.01.2020 | APA

Krebs-Häufigkeit steigt - Im Vergleich weniger Sterblichkeit

Krebs wird zu einem immer größeren Problem der Gesellschaft. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Todesfälle in Europa sind bereits darauf zurückzuführen. Die Häufigkeit der Erkrankung steigt, die Sterblichkeitsraten sinken im Vergleich dazu durch bessere Diagnose und Therapie. Dies stellte ein neuer Bericht des Schwedischen Instituts für Gesundheitsökonomie (IHE) fest.

Krebs belastet Gesundheitssystem zusehends
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APA/dpa

"Wir müssen den Zugang zu innovativen Therapien sichern, um weiterhin die Überlebensraten zu erhöhen. Dazu gehört auch die Gewährleistung einer molekularen Diagnostik beim einzelnen Patienten", sagte dazu der Wiener Onkologe und Koordinator des Vienna Cancer Center (VCC), Christoph Zielinski, gegenüber der APA.

"Die Versorgung von Krebskranken bleibt eine der in Europa meistdiskutierten Fragen der Gesundheitspolitik. Demografische Faktoren wie die Alterung der Bevölkerung und - teilweise - getrieben durch die Fortschritte in der Medizin haben zu einer steigenden Krankheitslast durch Krebs bei Patienten und im Gesundheitssystem geführt", schrieben die Autoren, unter ihnen der aus Österreich stammende Thomas Hofmarcher und der schwedische Onkologe und Gesundheitsökonom Nils Wilking in der vom Verband der europäischen Pharmaindustrie (EFPIA) finanzierten Analyse.

Die Fakten laut den Experten: "Die Zahl der neu diagnostizierten Krebserkrankungen (Inzidenz) steigt. Sie stieg zwischen 1995 und 2018 um rund 50 Prozent von 2,1 Millionen auf 3,1 Millionen Fälle. (...) Prognosen zeigen, dass die Entwicklung bei der Alterung der Bevölkerung und weniger Bevölkerungswachstum insgesamt von 2018 auf 2040 um weitere 775.000 Fälle steigen wird."

Dem steht auf der Seite des Krebs-Überlebens eine deutlich andere Entwicklung gegenüber. "Die Zahl der Todesopfer durch Krebs (Mortalität) steigt weiterhin, zwischen 1995 und 2018 um 20 Prozent von 1,2 auf 1,4 Millionen Todesopfer in Europa. Aber dieser Anstieg hat sich verlangsamt (...)", stellten die Experten fest. "Die steigenden Überlebensraten (bei Krebs; Anm.) erklären, warum die Zahl der Krebstoten in den Jahren 1995 bis 2018 weit weniger stark angestiegen ist als die Krebs-Häufigkeit (plus 20 Prozent bei den Todeszahlen, aber plus 50 Prozent bei der Krebs-Erkrankungshäufigkeit)", stellten die Fachleute fest.

"Die Erfolge sind vor allem auf bessere Behandlungsstrategien und eine frühere und genauere Diagnose zurückzuführen. Wir haben heute innovativere und vor allem genauer bei der individuell vorliegenden Krebserkrankung wirkende Therapien zur Verfügung. Das basiert zunehmend auf molekularen Untersuchungen der Erkrankung beim einzelnen Patienten. Genau das bringt den Fortschritt. Das müssen wir gewährleisten. Die Weichen sind gestellt. An der Zielrichtung, dass wir damit immer mehr Patienten - zum Teil auch mit bei der Diagnose nicht mehr heilbaren Krebserkrankungen - immer besser bzw. immer länger behandeln können, wird sich auch in Zukunft nichts ändern", sagte Zielinski.

Die Gesundheitspolitik sollte dieser Entwicklung Rechnung tragen. Der Anteil der Ausgaben für die Diagnose und Behandlung von Krebspatienten sei relativ stabil geblieben, schrieben die Experten. "Rund vier bis sieben Prozent der Gesundheitsausgaben betreffen normalerweise bösartige Erkrankungen." Die Gesamtausgaben für Krebsmedikamente hätten sich aber zwischen 2008 und 2018 in Europa in etwa verdoppelt. 31 Prozent der Aufwendungen für die direkten medizinischen Kosten seien auf sie zurückzuführen (2005: zwölf Prozent). Diese Angaben zu Kostenanteilen seien aber nicht sehr sicher, weil es viele Rabatte auf die Arzneimittel gebe.

Indirekte Kosten sinken

Andererseits betrugen die indirekten Kosten von Krebs (z.B. durch Arbeitsausfall) 1995 in Europa noch 77 Milliarden Euro und sanken bis 2018 bei steigenden Erkrankungszahlen um neun Prozent auf 70 Milliarden Euro. Das sei wiederum der Effekt der Verringerung der Krebs-Mortalität in der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter um 20 Prozent in diesem Zeitraum, heißt es in dem neuen IHE-Report.

In Europa wurden 2018 rund 103 Milliarden Euro an direkten medizinischen Kosten für Krebs ausgegeben. Das waren pro Kopf rund 195 Euro und Jahr. Hier liegt Österreich mit 260 Euro pro Kopf (2018) gemeinsam mit der Schweiz (352 Euro und somit Spitzenreiter), Luxemburg (294 Euro), Deutschland (287 Euro) und Belgien (257 Euro) sowie den Niederlanden (274 Euro) weit vorn.

Bei der Krebs-Mortalität schneidet Österreich (250 Todesfälle pro 100.000 Einwohner im Jahr 2018) besser ab als der europäische Durchschnitt und ist mit Ländern wie Spanien, Schweden oder Finnland in einer ähnliche Situation. Während in Österreich, Deutschland und der Schweiz pro Jahr und Einwohner um die hundert Euro für die neuesten und wirkungsvollsten Arzneimittel bei Krebserkrankungen ausgegeben werden, sind es in Ländern wie Tschechien, oder Polen nur 13 bis 16 Euro pro Kopf. Bei den modernsten Immuntherapien klafft hier laut den Studienautoren die Schere um das Zehnfache auseinander.

Am günstigsten wäre wohl die Verhinderung von Krebserkrankungen insgesamt. Das wäre laut der Studie bei Vermeidung aller Risikofaktoren zu 42 Prozent möglich. Zigarettenkonsum verursache allein 19 Prozent der Krebsleiden. Danach kommen Adipositas (7,8 Prozent) und Alkoholmissbrauch (5,6 Prozent).


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Verantwortlicher Redakteur: Hermann Mörwald Von der Redaktion recherchiert
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