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14.01.2020 | APA

Agrana dank teurem Bioethanol mit Gewinnanstieg

Der börsennotierte Frucht-, Zucker- und Stärkekonzern Agrana profitiert von hohen Preisen für Bioethanol. Die Gruppe hat nach neun Monaten des schiefen Geschäftsjahres 2019/20 einen höheren Umsatz und Gewinn als in der Vorjahresperiode ausgewiesen. Auch für das Gesamtjahr sagt das Unternehmen einen deutlichen Anstieg des operativen Gewinns (EBIT) und ein leichtes Plus beim Umsatz voraus.

Hoffnungsträger Biotreibstoffe
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AGRANA BETEILIGUNGS-AG

"Das Segment Stärke profitierte vom hohen Preisniveau bei Bioethanol und sorgte mit seiner EBIT-Steigerung für die verbesserte Ergebnisentwicklung in der Gruppe gegenüber dem Vorjahr", teilte Vorstandsvorsitzender Johann Marihart in einer Aussendung mit. Der Umsatz des Segments Stärke, zu dem die Bioethanolproduktion gehört, legte im Vergleich zur Vorjahresperiode um 7,2 Prozent auf 606,9 Mio. Euro zu - das EBIT erhöhte sich von 36,9 auf 57,3 Mio. Euro.

Im Bereich Frucht blieb der Umsatz stabil und belief sich auf 889,3 Mio. Euro. Das EBIT fiel allerdings um ein Viertel auf 45,9 Mio. Euro. Vor allem die Fruchtzubereitungen liefen schlecht. Der Umsatz mit Zucker ging in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres um 5,8 Prozent auf 383,2 Mio. Euro zurück. Niedrigere Zuckerverkaufsmengen führten dazu. Der operative Verlust aus diesem Geschäftsfeld verringerte sich geringfügig von 35,4 Mio. Euro auf 33,4 Mio. Euro. Eine zu geringe Rübenernte führte zu "erheblichen" Leerkosten, so Agrana. Höhere Zuckerpreise machten dies teilweise wett.

In Summe hat Agrana nach den ersten drei Quartalen 2019|20 1.879,4 Mio. Euro Umsatz (+0,9 Prozent) und 69,8 Mio. Euro EBIT (+9,9 Prozent) ausgewiesen. Das Konzernergebnis legte um 16,5 Prozent von 37 Mio. Euro auf 43,1 Mio. Euro zu.

"Fortschrittliche Biotreibstoffe"

Die neue Bundesregierung will laut Regierungsprogramm "fortschrittliche Biotreibstoffe" fördern und dem heimischen Sprit mehr Bioethanol beimischen. Im Gespräch ist eine Verdoppelung des Anteils bei Benzin von 5 auf 10 Prozent. Die Agrana erzeugt derzeit genug Bioethanol, um auch den verdoppelten Bedarf problemlos zu decken, sagte Marihart zur APA.

Eine Beimischung von 10 Prozent Bioethanol würde einem Bedarf von rund 200.000 Kubikmetern entsprechen, die Agrana produziere aber 250.000 bis 260.000 m3, könne den Bedarf also ohne Kapazitätserhöhung mehr als erfüllen, sagte Marihart. Derzeit werde die überschüssige Produktion exportiert, "die CO2-Gutschrift ist im Ausland gelandet, aber ich glaube, dass CO2-Gutschriften bei den steigenden Preisen für CO2-Lizenzen gut im Inland aufgehoben sind".

Die Erhöhung der Beimischung von 5 auf 10 Prozent würde die heimische CO2-Bilanz um 200.000 Tonnen entlasten - bei einem aktuellen Preis von 25 Euro pro Tonne CO2-Zertifikat könnte sich Österreich 5 Mio. Euro im Jahr ersparen, rechnet Marihart vor. Die Preissteigerung für Benzin an der Zapfsäule würde sich "in der hinteren Kommastelle" abspielen, also weniger ausmachen, als die übliche tägliche Schwankungsbreite.

Während die Produktion von Bioethanol im speziellen und von Stärke im allgemeinen für die Agrana ein großer Gewinnbringer ist, bleibt die Zuckerproduktion ein Sorgenkind. Auch heuer wird dieses Kerngeschäft einen Verlust bringen. Einerseits aufgrund niedriger Zuckerpreise, andererseits, weil die Rübenzulieferung zu gering ausfällt, um die Kapazitäten der beiden Werke auszulasten. Brauchen würde die Agrana den Ertrag von 40.000 Hektar, im Vorjahr waren es 30.000 und in der eben abgeschlossenen Ernte 28.000 Hektar.

Aber dank garantierter Mindestpreise für die kommenden drei Jahre und Erfolgen im Kampf gegen den Rüsselkäfer mit Pheromonfallen baut Marihart darauf, dass die Anlieferung von Rüben wieder steigt. Auch der zuletzt sehr niedrige Zuckerpreis müsse sich erholen, damit die Agrana wieder gewinnbringend Zucker produzieren kann. Diesbezüglich gebe es "positive Anzeichen für das nächste Jahr, weil die beiden letzten Ernten aus europäischer Sicht bestenfalls bedarfsdeckend waren", aber die Lage bleibe schwierig. Ein Rückzug aus dem Kerngeschäft sei aber kein Thema.

Große Freude hat Marihart mit dem im Herbst eröffneten Stärkewerk in Pischelsdorf, das bereits im Normalbetrieb laufe und schon zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 einen Beitrag leisten werde. Und auch die Großinvestition in Tulln für die Produktion von "Betain", Melasse aus Zuckerrüben für Futtermittel und Kosmetika, sei im Plan und werde im Mai oder Juni in Betrieb gehen.


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