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11.07.2019 | APA

Diskussion um Sicherheit in Spitälern

Die Bluttat im Wiener SMZ Süd - ein Patient hatte am Mittwoch einen 64 Jahre alten Oberarzt für Kardiologie niedergestochen - hat eine Diskussion um die Sicherheit in Spitälern ausgelöst. Krankenhäuser gehörten "wie Gerichte gesichert", verlangte die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK).

Der aktuelle Fall ist der traurige Tiefpunkt einer Entwicklung
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APA

Das schließe Sicherheitsschleusen, Metalldetektoren und das Durchsuchen nach mitgebrachten gefährlichen Gegenständen mit ein, bekräftigte Harald Mayer, ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte, gegenüber der APA.

Unterdessen wurde der Tatverdächtige - ein 33 Jahre alter Mann aus Sierra Leone, der seit 2004 in Österreich lebt und subsidiären Schutz genießt - nach seiner polizeilichen Beschuldigteneinvernahme am Donnerstagvormittag in die Justizanstalt Josefstadt überstellt. Dort wurde er vorerst in der Krankenabteilung untergebracht - möglicherweise hat der Mann unter dem Einfluss einer psychischen Erkrankung gehandelt.

Gegenüber der Polizei war der Tatverdächtige zum Messerangriff grundsätzlich geständig. Hinsichtlich des Motivs berief er sich "auf innere Stimmen", die er befolgt hätte, gab Paul Eidenberger von der Landespolizeidirektion bekannt. "Er wirkte bei der Beschuldigtenvernehmung für die Beamten normal und orientiert. Er konnte beispielsweise Daten zu früheren Behandlungen nennen und Zusammenhänge schildern", berichtete Eidenberger.

Zur Tathandlung befragt, habe der 33-Jährige angegeben, "er hätte plötzlich Stimmen gehört, die ihm den Angriff suggeriert hätten". Der 33-Jährige, der seit 2011 im SMZ Süd behandelt wurde und dort vor wenigen Wochen einem operativen Eingriff unterzogen wurde, hätte sich auch auf Anweisung dieser Stimmen ins Spital begeben, sagte Eidenberger. Ärztlichen Untersuchungs- oder Kontrolltermin für Mittwoch hatte der Mann keinen. Ob die Angaben des 33-Jährigen plausibel sind, wird wohl ein von der Justiz beizuziehender psychiatrischer Sachverständiger zu klären haben.

Einige Augenzeugen sind von der Polizei bereits zu ihren Wahrnehmungen befragt worden. Noch am Donnerstag sollte auch der niedergestochene Arzt als Zeuge befragt werden - der Zustand des 64-Jährigen, der sich zunächst in Lebensgefahr befunden hatte und der dank einer Notoperation stabilisiert werden konnte, lasse das zu, hieß es seitens der Polizei.

Während die niederösterreichische Landeskliniken-Holding am Donnerstag mitteilte, dass im Vorjahr in den niederösterreichischen Landeskliniken 2.562 Übergriffe verzeichnet wurden, gab der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) keine Zahlen zu Gewalttätigkeiten gegenüber Ärzten und Pflegekräften in den Spitälern in der Bundeshauptstadt bekannt. Man wolle die Patienten nicht beunruhigen, hieß es am Donnerstag auf APA-Anfrage. "Es geht nicht darum, etwas unter den Teppich zu kehren. Konkrete Zahlen könnten allerdings ein falsches Bild zeichnen. Es könnte der falsche Eindruck entstehen, dass man sich fürchten muss, wenn man ins Spital geht", argumentierte KAV-Sprecherin Marion Wallner.

Im Großteil der Fälle gehe es um verbale Gewalt, körperliche Übergriffe seien die Ausnahme. Betroffen wären vor allem psychiatrische Abteilungen, "wo Patienten aufgrund ihres Gesundheitszustands oft nicht adäquat reagieren können", sagte Wallner. Mit Securitys und Video-Überwachung - beides gibt es laut Wallner in jeder Krankenanstalt zumindest "in besonders vulnerablen Bereichen" - habe man gute Erfahrungen gemacht. Das Hauptaugenmerk richtet man beim KAV auf Präventivmaßnahmen, "um Gewalt zu verhindern", wie Wallner betonte.

"Die bisherige Security ist nicht ausreichend", hielt dem ÖÄK-Vizepräsident Mayer entgegen. Der aktuelle Fall ist laut ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres "der traurige Tiefpunkt einer Entwicklung, die wir schon länger mit Sorge beobachten." Aggressives Verhalten und Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal nehmen immer weiter zu, hielt Szekeres fest. Die ÖÄK forderte daher "dringend wirksame Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit in Spitälern". Die Sicherheit von Ärzten und anderen Angehörigen der Gesundheitsberufe sowie ein unbelastetes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient seien entscheidende Säulen der Gesundheitsversorgung.

Grundsätzlich sind nach Dafürhalten der ÖÄK für alle Spitäler Sicherheitskonzepte geboten und es gehören Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter etabliert. "Andernfalls brauchen wir wohl bald Sicherheitschecks wie am Flughafen", warnte Mayer.

Daneben tritt die ÖÄK dafür ein, Angriffe auf Gesundheitspersonal wie bei Polizisten, Gutachtern oder Beamten strafrechtlich generell als schwere Körperverletzung zu ahnden. Dies könne auf einen Teil der Täter abschreckend wirken. "Wir werden alles tun, um unsere berechtigten Forderungen durchzusetzen und um weitere Gewalttaten gegenüber Ärztinnen und Ärzten verhindern zu helfen", kündigte ÖÄK-Präsident Szekeres an. Ein Anti-Gewalt-Paket in Form von Strafrechtsverschärfungen liege bereits beim Parlament: "Jetzt ist der Zeitpunkt, es auch zu beschließen."

Ein Mal mehr sprach sich die ÖÄK für mehr Personal in Spitälern und mehr Kassenarztstellen aus, um die Wartezeiten in Ambulanzen und Ordinationen zu reduzieren. Man fordere schließlich schon lange mehr Geld im Gesundheitssystem - die Erhöhung der Gesundheitsausgaben auf zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes sei überfällig. "Man muss endlich aufhören, das Gesundheitswesen als reinen Kostenfaktor zu sehen", appellierte Szekeres abschließend.


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