APA - AUSTRIA PRESSE AGENTUR APA-OTS APA-DEFACTO APA-IT APA-IMAGES APA-MEDIAWATCH
APA-OnlineJournale   APA - Austria Presse Agentur

Homepage
Ihre Journale
Editorial
Produktinfo
Navigation/Help
Impressum
Offenlegung
APA im Netz
Passwort �ndern
User Login

BEISPIEL TOP-THEMA


SIE BEFINDEN SICH BEREITS AM ANFANG.SIE BEFINDEN SICH BEREITS AM ENDE. ÜBERBLICK DIESES DOSSIER DRUCKEN

06.12.2018 | $group

Kritik an zu wenig Tempo im Stromsektor

Beim Umbau des Energiesystems geht den Ökonomen Christian Helmenstein und Stefan Schleicher - aus je unterschiedlicher Sicht - zu wenig voran. IV-Chefökonom Helmenstein will mehr Tempo bei den Investitionen im Stromsektor, womit sich Österreich sogar Wachstumsvorsprünge verschaffen könnte. Der an der Uni Graz und beim Wifo tätige Schleicher sieht den heutigen Energiesektor als rückständig an.

Mehr Tempo bei Investitionen im Stromsektor sind notwendig
Vollansicht
APA (KEYSTONE)

Helmenstein pochte bei einer Diskussion der EnergieAllianz Austria auf Investments in die Übertragungskapazität, einen Ausbau der Wasserkrafterzeugung, eine Ertüchtigung der Windräder und für Anreize für Smart Meter und Smart Grid. "In der Wasserkraft besteht unser komparativer Vorteil in Österreich." Solle es von fossil zu erneuerbar gehen, so bedürfe es Investitionen für 27 bis 30 Terawattstunden (TWh) Strom zusätzlich. Damit könnte sich für unser Land sogar die Chance auftun, ein Differenzialwachstum gegenüber Europa hinzubekommen, "bis 2030 könnten wir stärker als Europa wachsen", so Helmenstein Mittwochabend. Allerdings müsse es für diese Investitionen auch eine "Ertragserwartung" für die Branche geben - und kürzere Genehmigungsverfahren.

Schleicher plädierte für Innovationen, eine Integration aller Bereiche ins Energiesystem und eine Inversion, also ein Auf-den-Kopf-Stellen des gesamten Sektors. Das heutige Strommarktdesign verglich er mit der Geburtsstunde der Mobiltelefonie Anfang der 1980er Jahre und bezeichnete die aktuelle Denkungsart als vorgestrig. Mit diesem mind-set könnten die disruptiven Veränderungen des Energiesektors aber nicht bewältigt werden, meinte der am Grazer Wegener Center for Climate and Global Change tätige Volkswirt. Von der EU komme kein Signal in Richtung neuer Businessmodelle. In Brüssel finde gerade der EU-Trilog zum Clean-Energy-Package statt, da werde aber möglicherweise "der falsche Baum angebellt".

Die voestalpine mit ihren Plänen einer langfristigen Umstellung der Stahlproduktion auf Wasserstoff-Technologie wertete Schleicher als vorbildlich, allerdings würde das dann fast 50 Prozent des gesamten heimischen Stromverbrauchs ausmachen, "da klemmt es also. Da brauchen wir ganz neue Orientierungen - auch für die Zement-, die Kunststoff- sowie die Papier- und die Zellstoffindustrie."

Die mit 1. Oktober erfolgte Auftrennung der früher gemeinsamen deutsch-österreichischen Stromhandelszone, durch die Österreich früher von der geförderten Erneuerbaren-Stromerzeugung im Nachbarland durch günstigere Preise profitierte, bezeichnete Helmenstein als "zweifellos negativ für Österreich" und als Schritt weg von einem gemeinsamen Markt in Europa, der rückgängig gemacht gehöre. Zudem sei die österreichische Politik gefordert, um zu einem "smarteren" Regulierungssystem zu kommen.

Die Leiterin der E-Control-Stromabteilung, Christine Materazzi-Wagner, meinte dazu, hier sei nur ein Kompromiss möglich gewesen. Dass der Aufschlag auf den deutschen Preis am Mittwoch bei der ersten Jahresauktion für die grenzüberschreitende Kapazität nur bei 3,33 Euro/MWh gelegen sei, sieht sie als "Einschwing-Vorgang" und die Überwindung des ersten Schocks. Ohne den Kompromiss wäre die Kapazität an der Grenze nicht bei 4,9 GW, sondern nur bei 2 GW - mit deutlich höheren Preisaufschlägen, betonte sie. Der "Gassektor in Europa" wolle am "Clean Energy"-Thema vorbei "die Dekarbonisierung überleben", Stichwort synthetisches Methan oder Wasserstoff anstelle von konventionellem Erdgas.

Helmenstein, der auch das Economica Institut für Wirtschaftsforschung betreibt, sagte, der Stromsektor werde generell unterschätzt - und politisch zu wenig wertgeschätzt. Das österreichische Übertragungsnetz stehe immerhin für 0,7 Prozent des BIP, die gesamte Stromwirtschaft für 4 Prozent des BIP oder 12 Mrd. Euro. Das sei mehr als Gastronomie und Hotellerie zusammen bzw. so viel wie der Einzelhandel. Jedes Prozent mehr an Investitionen in die Stromproduktion könne die Gesamtproduktivität Österreichs um 0,06 Prozent erhöhen - und die Produktivität sei die einzige entscheidende Größe, auch für die Pro-Kopf-Einkommen.


SIE BEFINDEN SICH BEREITS AM ANFANG.SIE BEFINDEN SICH BEREITS AM ENDE. ÜBERBLICK DIESES DOSSIER DRUCKEN


Weitere Themen finden Sie in der Übersicht und im Archiv.

 

HINTERGRÜNDEInformation


Verantwortlicher Redakteur: Hermann Mörwald Von der Redaktion recherchiert
Hermann Mörwald
Verantwortlicher Redakteur


Weitere APA-Stories zum Thema:






_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

APA-BusinessFacts
© APA - Austria Presse Agentur / powered byAPA CMS(Info)
Bitte wählen Sie eine der Druckoptionen links.




top