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12.09.2018 | $group

OECD-Studie: Wenig Chancengerechtigkeit bei Hochschulbildung

In der Hochschulbildung gibt es nur wenig Chancengerechtigkeit. Zu diesem Schluss kommt die am Dienstag präsentierte OECD-Studie "Bildung auf einen Blick". In Österreich ist dabei die Chance von Personen, deren Eltern keinen Abschluss im Tertiärbereich haben, auf den Beginn und Abschluss eines Bachelor-, Diplom- oder Masterstudiums besonders gering.

Bildungsschicht bestimmt meist den Studienerfolg
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Für ihre Auswertung zur Gerechtigkeit bzw. Mobilität im Hochschulbereich hat die OECD diesmal einen etwas anderen Zugang als in den vergangenen Jahren gewählt: Die Ungleichheit wird dabei anhand eines Vergleichs des Anteils junger Menschen aus potenziell benachteiligten Gruppen im Hochschulbereich mit ihrem Anteil an der Gesamtpopulation verglichen. Bei perfekter Chancengleichheit müsste dieser in etwa übereinstimmen - je weiter auseinander die Werte, desto ungerechter geht es zu.

In Österreich beträgt demnach der Anteil der 18- bis 24-Jährigen mit Eltern ohne Tertiärabschluss (wobei in diesem Zusammenhang aber auch ein BHS-Abschluss als solcher gilt, Anm.) an der Gesamtpopulation dieser Altersgruppe 61 Prozent. Bei den Anfängern eines Bachelor- oder Diplomstudiums an einer Hochschule liegt der entsprechende Prozentsatz dagegen bei nur 37 Prozent. Der entsprechende "Gap" beträgt damit 24 Prozentpunkte. Höher ist er nur in Lettland und Litauen, besonders niedrig ist er in Italien mit nur elf Prozentpunkten.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei einem Blick auf die Absolventen: Der Anteil der 20- bis 29-Jährigen mit Eltern ohne Tertiärabschluss an der Gesamtpopulation dieser Altersgruppe macht demnach 64 Prozent aus, bei den Erstabsolventen eines Bachelor- oder Diplomstudiums dagegen nur mehr 38 Prozent. Hier ist dieser Gap in Österreich mit rund 26 Prozentpunkten sogar am größten (ex aequo mit Schweden). Abstände nur knapp über zehn Prozentpunkten verzeichnen dagegen etwa Australien oder Kanada.

Spätere Studienaufnahme

Auch andere Indikatoren weisen auf Ungleichheiten hin: So geht etwa ein niedriger Bildungsstand der Eltern tendenziell mit einer späteren Aufnahme eines Hochschulstudiums einher. Außerdem endet in allen Ländern die Bildungskarriere von Bildungsteilnehmern, deren Eltern keinen Tertiärabschluss haben, früher: unter den Anfängern in der Sekundarstufe II (AHS-Oberstufe, BMHS, Lehre) schaffen sie seltener den Abschluss als Kinder von Eltern mit Tertiärabschluss und beginnen seltener ein Studium. Und: Der Bildungsstand der Eltern beeinflusst nicht nur die Entscheidung darüber, ob eine Ausbildung im Tertiärbereich angestrebt wird, sondern auch welche. So wählen etwa Anfänger mit Eltern ohne Tertiärabschluss mit größerer Wahrscheinlichkeit einen kurzen tertiären Bildungsweg (in Österreich vor allem eine BHS) statt eines Bachelor- oder Diplomstudiums.

Die Gründe für die Unterrepräsentierung von Personen aus bildungsfernen Schichten können dabei in zwei Faktoren liegen, die auch zusammen auftreten können. Einerseits können sie mit Hindernissen beim Eintritt in den Hochschulbereich selbst zusammenhängen (etwa Zugangsbeschränkungen oder zu hohe Studiengebühren) oder aber mit Problemen, die schon einen Erfolg in den vorgelagerten Bildungsbereichen verhindern.

Von der Schule in die Arbeit

Der Übergang von der Schule zum Arbeitsmarkt funktioniert in Österreich vergleichsweise gut, zeigt die OECD-Studie "weiter. Demnach waren hierzulande nur rund elf Prozent der 15- bis 29-Jährigen weder in einer Ausbildung noch berufstätig (not in employment, education or training, kurz: NEET), im OECD- und EU-Schnitt waren es je rund 13 Prozent.

In Österreich ist der Anteil der NEETs dabei entsprechend dem OECD-Trend zwischen 2007 und 2017 geringfügig gesunken, konkret von 11,3 auf 10,8 Prozent. Am geringsten sind die Quoten in Island mit rund fünf Prozent. Grund ist laut OECD, dass dort überdurchschnittlich viele 25- bis 29-Jährige noch in (Aus-)Bildung sind. Besonders wenige NEETs gibt es außerdem in den Niederlanden, Luxemburg, Schweden und der Schweiz (rund acht Prozent) sowie Norwegen und Deutschland (rund neun Prozent). Die meisten NEETs verzeichnen die Türkei (27 Prozent) sowie - noch als Folge der jüngsten Wirtschaftskrise - Italien (25 Prozent) und Griechenland (23 Prozent).

Kein gutes Zeugnis gibt es für Österreich allerdings in Teilbereichen: So fallen wie auch in Deutschland junge Zuwanderer deutlich öfter in die Gruppe der NEETs als im Inland Geborene (rund 24 gegenüber rund acht Prozent). Zuwanderer haben zwar in den meisten untersuchten Ländern mehr Probleme beim Übergang zum Arbeitsmarkt als Einheimische, im OECD-Schnitt ist der Unterschied jedoch deutlich geringer (18 Prozent der im Ausland gegenüber 13 Prozent der im Inland Geborenen). In einem Drittel der OECD-Länder macht er sogar weniger als drei Prozentpunkte aus.

Die OECD-Studie zeigt übrigens auch, dass eine längere Schulpflicht nicht automatisch zu höherer Bildungsbeteiligung führt: So befinden sich in Slowenien 94 Prozent der 15- bis 19-Jährigen in Ausbildung, obwohl die Schulpflicht mit 14 Jahren endet. In Chile (Schulpflicht bis 18) sind hingegen nur 83 Prozent der Jugendlichen noch in (Aus-)Bildung, was laut Studie auf hohe Abbruchquoten schließen lässt.


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Verantwortlicher Redakteur: Hermann Mörwald Von der Redaktion recherchiert
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