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07.05.2018 | $group

Aufbruchstimmung in CEE großteils verflogen

Die Aufbruchstimmung, die im CEE-Raum 1989 zu Beginn der Ostöffnung herrschte, ist zu einem Gutteil verflogen. Viele Regierungen sehen zivilgesellschaftliches Engagement als unerwünschte Opposition, heißt es in einer Studie der WU Wien unter Verweis auf Länder wie etwa Ungarn, Polen und Mazedonien. Non-Profit-Organisationen verlieren zudem zusehends ihre ausländischen Geldgeber.

Zivilgesellschaftliches Engagement gilt oft als Opposition
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AFP

"Die Länder des Westbalkans beispielsweise - nach den Kriegen und dem Zerfalls Jugoslawiens das Ziel westlicher Unterstützung - gelten vielfach als stabilisiert, internationale staatliche und private Förderungen laufen aus oder werden in andere Krisengebiete umgeleitet", erklärt WU-Experte Peter Vandor.

Gleichzeitig seien "Eingriffe in die Finanzierungsmöglichkeiten von Non-Profit-Organisationen keine Seltenheit", betont der Leiter des Institutes für Nonprofit Management an der WU, Michael Meyer. "Besonders schwer wiegen die Vorwürfe von Politik und staatsnahen Medien, die Zivilgesellschaft sei aus dem Ausland gesteuert. Sie stellen die lokale Verankerung und Legitimität von Zivilgesellschaft infrage."

Aktuelles Beispiel in Ungarn sei die Kampagne gegen die 1991 gegründete Privatuniversität Central European University mit Sitz in New York und einem Campus in Budapest sowie gegen Organisationen im Bereich der Flüchtlingshilfe. Ähnliche Probleme gebe es auch in Polen, Mazedonien und anderen Ländern.

Für viele Organisationen sind die fehlenden Mittel jedenfalls schwer zu ersetzen, da die staatliche Unterstützung oft nur eingeschränkt verfügbar ist, geht aus der Studie weiters hervor. Der Anteil direkter staatlicher Finanzierung sei bei den nicht gewinnorientierten Organisationen in den Visegrad-Staaten (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn), Slowenien und Kroatien mit 20 bis 30 Prozent nur in etwa halb so hoch wie in Westeuropa (rund 35 bis 55 Prozent). Besonders intensiv am Tropf ausländischer Geldgeber hängt den Angaben zufolge der Kosovo - dort stammten bei den Non-Profit-Organisationen über 70 Prozent der Einnahmen aus dem Ausland.

Trotz teils schwieriger Bedingungen habe sich die Zahl der Beschäftigten im Non-Profit-Sektor in den vergangenen 20 Jahren aber deutlich erhöht: 1995 seien in der Ländergruppe Ungarn, Tschechien, Rumänien, Slowakei und Österreich im Schnitt 1,8 Prozent der Erwerbstätigen in diesem Bereich beschäftigt gewesen, aktuell seien es 3 Prozent.

Die Präsenz von nicht gewinnorientierten Organisationen im Bereich Sport, Kunst und Kultur ist der WU-Studie zufolge in Zentral- und Osteuropa wesentlich massiver ausgeprägt als in Westeuropa. Das gelte insbesondere für die Visegrad-Länder, Bulgarien, Rumänien und Kroatien, wo der Anteil mehr als 40 Prozent erreiche - in Westeuropa seien es üblicherweise nur etwa 10 bis 15 Prozent.

Der hohe Anteil in den CEE-Ländern dürfte mit ihrer kommunistischen bzw. sozialistischen Vergangenheit zusammenhängen. "Während die meisten Formen zivilgesellschaftlichen Engagements unter kommunistischer Herrschaft unterdrückt wurden, gehörten Kunst, Kultur und Sport zu den Bereichen, in denen Engagement toleriert oder sogar gefördert wurde", so Vandor.

Die Studie "Civil Society in Central and Eastern Europe: Challenges and Opportunities" wurde an der WU Wien erstellt. 27 Autoren und über 400 Experten aus Non-Profit-Organisationen und Wissenschaft untersuchten zwischen 2015 und 2017 die Entwicklung der Zivilgesellschaft in 16 CEE-Ländern seit dem Fall des Eisernen Vorhangs.


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Verantwortlicher Redakteur: Hermann Mörwald Von der Redaktion recherchiert
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