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07.06.2018 | $group

Intensivmediziner gegen Ökonomisierung der Medizin

Der Zugriff von finanziellen Vorgaben auf die Medizin wird laut der österreichischen Fachgesellschaft der Anästhesisten und Intensivmediziner immer stärker. In der medizinischen Versorgung von Kranken müssten aber deren gesundheitliche Interessen den absoluten Vorrang haben und behalten, betonte der Präsident der Fachgesellschaft, Rudolf Likar, am Donnerstag in einer Aussendung.

Gesundheitliche Interessen müssen den absoluten Vorrang haben
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APA (Symbolbild)

Likar forderte für Österreich ein Manifest für eine klare Priorität von Medizin vor Ökonomie als Leitlinie für ärztliches Handeln im Sinne der Kranken. Der Präsident der Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) will mit der Initiative der Fachgesellschaft einem deutschen Vorbild folgen. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) als Europas größte Ärzte-Fachgesellschaft hat zu diesem Thema vergangenes Jahr den "Klinik Codex: Medizin vor Ökonomie" formuliert und der Öffentlichkeit präsentiert.

"Wir brauchen in Österreich ein ähnliches Dokument als Leitlinie für ärztliches Handeln im Sinne unserer Patienten. Ein solcher Appell soll aber auch jene 'Rote Linie' für alle anderen Beteiligten am Gesundheitswesen - zum Beispiel für Krankenhausträger und Gesundheitspolitik - sichtbar machen, die wir nicht zu überschreiten bereit sind", wurde der Experte in der Aussendung zitiert.

So wurde die Formulierung des Codex in Deutschland begründet: Nicht das Bereitstellen ausreichender Diagnose- und Behandlungskapazitäten auch für Eventualfälle würde von der Gesundheitspolitik gefordert, vielmehr immer größere, kurzfristig belegbare "Effizienz". In den Abrechnungssystemen dominierten immer häufiger medizinisch-technische Leistungen. Verrechnet und bezahlt werde die Technikauslastung.

"Auf der Strecke bleibt dabei leider nur allzu leicht der Kranke, dem der Arzt im High-Tech-Hochleistungsbetrieb nicht mehr ausreichend menschlich helfend zur Seite stehen kann", sagte Likar. Das gefährde die Qualität der Patientenversorgung.

Im Zuge der Ökonomisierung der Medizin seien offenbar auch die Positionen der Handelnden und Betreuten verschoben worden. Aus Ärzten seien in der gesundheitspolitischen Debatte "Anbieter" von "Gesundheitsdienstleistungen" geworden. Die Finanzierung vieler medizinischer Einrichtungen funktioniert wiederum über den Weg der Abgeltung von eng definierten, vor allem technischen Einzelleistungen, statt den Erfolg der Medizin am erreichten Gesamtwohl des Patienten abzulesen und buchstäblich "zu belohnen".

"Der Patient ist kein Kunde, das Krankenhaus ist kein Wirtschaftsunternehmen", hätte die deutsche Internistengesellschaft zu dem Problem festgestellt, sagte der ÖGARI-Präsident. "Den Patienten kann man nicht als Kunden sehen, dem man eine Ware verkauft."

"Die Österreichische Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) wird diese Initiative ergreifen und ein solches Manifest entwickeln. Das werden wir dann den anderen ärztlichen Fachgesellschaften in Österreich anbieten und sie einladen, sich zu beteiligen. (...) 'Umsätze', 'Budgets', 'Controlling', Leistungsabrechnung nach starren Kriterien und Steuerung nach rein ökonomischen Kriterien gehen am Sinn und am Zweck unseres Gesundheitswesens vorbei", stellte Likar fest.

Medizinische High-Tech-Leistungen dürften nicht über Leistungs- und Honorierungsregelungen die "sprechende Medizin" und den Arzt-Patienten-Kontakt in den Hintergrund drängen. Unternehmerische Entscheidungen von Krankenhausträgern müssten immer unter Einbindung des ärztlichen Sachverstandes erfolgen. Schließlich dürften Investitionen in technische Einrichtungen nicht die Bereitstellung ausreichender Personalkapazitäten und Zeitkapazitäten bei Ärzten und Pflegepersonal ersetzen.


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Verantwortlicher Redakteur: Hermann Mörwald Von der Redaktion recherchiert
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