APA - AUSTRIA PRESSE AGENTUR APA-OTS APA-DEFACTO APA-IT APA-IMAGES APA-MEDIAWATCH
APA-OnlineJournale   APA - Austria Presse Agentur

Homepage
Ihre Journale
Editorial
Produktinfo
Navigation/Help
Impressum
Offenlegung
Kontakt
APA im Netz
Passwort �ndern
User Login

MEDIENBERICHTE

19. 05. 2017 | PRESSE

Ein Banker als Glücksspiel-General

Casinos Austria. Alexander Labak folgt Karl Stoss als Chef des Glücksspielkonzerns. Spannend: Die Branche durchlebt harte Zeiten, und die Eigentümerstruktur des Konzerns ist noch offen.

von Hedi Schneid

Wien. Es ist extrem schnell gegangen. Am 25. April verkündete Casinos-Austria-Boss Karl Stoss, dass er einen Schlussstrich ziehe und seinen zu Jahresende auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängere. Wenige Tage später sickerte der Name seines Nachfolgers durch, und am 8. Mai schwor sich das Aufsichtsratspräsidium unter der Leitung von Raiffeisen-Generalanwalt Walter Rothensteiner auf Alexander Labak ein. Gestern, Donnerstag, wurde der Banker vom Casinos-Kontrollgremium in einer Sondersitzung offiziell gekürt.

Das ist insofern überraschend, als der 53-jährige Tiroler, der ein Wirtschaftsstudium in Wien und einen MBA der University of Pennsylvania aufweist, keine Erfahrung in der Glücksspielbranche hat. Labak ist Banker mit untadeligem Ruf, der nahezu seine gesamte Karriere im Ausland gemacht hat. Begonnen hat er zwar bei den Markenartiklern Henkel und Johnson & Johnson, er wechselte dann aber zur Deutschen Bank in Frankfurt. 2004 holte ihn das Kreditkartenunternehmen Mastercard als Europa-Präsident. Zwei Jahre später dockte er beim tschechischen Finanzdienstleister Home Credit Group an, wo er verschiedene Toppositionen innehatte.

Draht zu den Tschechen

Und da wird es spannend: Denn Home Credit steht im Einflussbereich und Teileigentum von Jiri Smejc. Der tschechische Milliardär ist zusammen mit Karel Komarek auch Eigentümer der Sazka Group, die - vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigungen - mit 34 Prozent der größte Aktionär der Casinos Austria wird. Außerdem hat Sazka 11,56 Prozent an der Casinos-Tochter Lotterien. Sazka hatte sich mit der Novomatic ein beinhartes Match um die Casinos geliefert. Die Novomatic hält - nach dem Njet der Kartellbehörden - 17,2 Prozent an den Casinos (und darf nur bis 24,9 Prozent aufstocken) und 11,56 an den Lotterien. Zweitgrößter Aktionär ist der Staat mit 33,24 Prozent.

Die neue Eigentümerstruktur ist für den neuen Casinos-Boss auch eine der großen Herausforderungen. Die andere: "Die Glücksspielindustrie durchläuft dynamische Veränderungen, die für unser Unternehmen Chancen, aber auch Risken bringen", sagte Labak gleich nach der Bestellung. Auch im Geschäft mit dem Glück verdrängen die Elektronik und Digitalisierung das "Echt-Spiel".

Es gilt als sicher, dass Sazka und Novomatic - die ersten strategischen Aktionäre bei den Casinos überhaupt - dem Platzhirsch auf dem heimischen Glücksspielmarkt mehr Biss und Effizienz verpassen werden. "Österreich ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg, einen der größten Glücksspielkonzerne Europas zu bauen", ließ Sazka-Chef Robert Chvatal kürzlich im Gespräch mit der "Presse" keinen Zweifel, wohin die Reise gehen soll.

Die Tschechen sind vor allem im Lotto stark. In der hiesigen Lotto-Konzession steckt überdies auch die Lizenz für Online-Spiele (Win2day), auf die die beiden Kernaktionäre besonders scharf sind. Denn mit Onlinespielen verdienen die Casinos operativ inzwischen so viel wie in den zwölf Inlandscasinos, im Vorjahr waren es 29 Mio. Euro.

Ebenso interessant dürfte ein Ausbau der Video-Lotterie-Terminals (VLT) sein. Das sind Automaten, bei denen sich der Zufallsgenerator nicht im Gerät, sondern auf einem externen Server befindet. Derzeit gibt es rund 700, laut Gesetz sind bundesweit 5000 möglich. Da ist die Novomatic technologisch sehr gut aufgestellt.

Expertise im Ausland

Und nicht zuletzt gilt es, die in der CAI gebündelten Auslandsaktivitäten, die jahrelang Verluste brachten, neu aufzustellen. Da wird Labak seine internationale Expertise zupasskommen. "Sazka ist ja im internationalen Geschäft tätig, da wird ein Best-Practice-Austausch sicher für beide Seiten nutzbringend sein", sagte er am Donnerstag. Auch die Novomatic, die in 80 Ländern 250.000 Spielautomaten entweder selbst in 1900 Salons oder als Vermieter an andere Anbieter betreibt, kann da groß mitspielen.

Dass der Vertrag von Labak, der den Job des Casinos-Bosses und jenes des Lotterienvorstands mit 1. Juli übernimmt, nur bis Ende 2019 läuft, hat zwei Gründe: Der Vertrag seiner nunmehrigen Vorstandskollegin Bettina Glatz-Kremsner läuft auch bis Ende 2019, der von Dietmar Hoscher wurde am Donnerstag ebenfalls bis Ende 2019 verlängert. Womit sozusagen "Gleichstand" für einen echten Neuanfang geschaffen ist.

Außerdem hängt über dem Konzern ein Unsicherheitsfaktor: Die Prüfung der Wettbewerbsbehörden - vor allem in Australien und Kanada - des Einstiegs der Sazka Group kann bis Mitte 2018 dauern. Fällt sie wider Erwarten negativ aus, müsste der Deal rückabgewickelt werden. Zurück an Start würde auch eine Neuaufstellung der Führung erfordern.

Immerhin übernimmt Labak einen der lukrativsten Generalsposten: Das Rekordergebnis hat die Gehälter von Stoss, Glatz-Kremsner und Hoscher von 3,9 auf 6,1 Mio. Euro brutto steigen lassen. Zwei Drittel sind erfolgsabhängig.


Wenn Sie mehr wissen wollen: Alle Infos finden Sie in der DeFacto» Suchmaschine.

DeFacto» - Die APAclass Suchmachine

APA-BusinessFacts
© APA - Austria Presse Agentur / powered byAPA CMS(Info)
Bitte wählen Sie eine der Druckoptionen links.




top