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MEDIENBERICHTE

19. 06. 2017 | PRESSE

Heimat hoher Preise: Warum Österreich zu teuer wird

Analyse. Österreichs Preisniveau steigt seit 2005 stärker als im EU-Schnitt. Treiber sind vor allem die Mieten - aber auch Lebensmittel.

von Karl Gaulhofer

Wien. Na bitte, fast eine Punktlandung: Um 1,9 Prozent sind die Preise in Österreich im Mai gestiegen. Zwei Prozent wären der Wert, den sich die Zentralbanker wünschen: Tut nicht weh, hält aber sicheren Abstand zur gefürchteten Deflation. Also alles bestens? Nun ja: In der gesamten Eurozone lag die Teuerung im Mai nur bei 1,4 Prozent. Von solchen Diskrepanzen berichten die Statistiker verdächtig oft. Vor allem beim wichtigsten Handelspartner Deutschland fällt der Preisauftrieb regelmäßig viel gedämpfter aus. Da bleibt ein mulmiges Gefühl. Aber, denkt man sich: Es geht ja nur um einen Monat, maximal um ein Jahr.

Wozu es auf lange Sicht führt, wenn sich die Schere bei den Preisen öffnet, zeigt nun eine Auswertung von Eurostat: Im Jahr 2005 lag das "vergleichende Preisniveau" hierzulande genau auf dem Schnitt von EU und Eurozone (mit diesem Index vergleichen die EU-Statistiker die kaufkraftbereinigten Preise beim privaten Konsum). Damals lebte man auch günstiger als in Deutschland, das um 2,3 Punkte über dem Mittel lag. Elf Jahre später hat sich das Bild komplett gedreht: Österreich ist nun deutlich teurer als der europäische Schnitt, um fast sieben Punkte, und hat Deutschland klar überholt.

Wie ist es dazu gekommen? Eine beliebte Erklärung sind die "administrierten", also vom Staat gesteuerten Preise, wie Gebühren oder Fahrscheine. In Deutschland agiert die öffentliche Hand höchst löblich, indem sie sich bei ihren Erhöhungen genau an die allgemeine Teuerungsrate hielt. Ganz anders die heimischen Politiker, die den Bürgern bei vielen Gebühren saftige Erhöhungen weit über der Inflationsrate aufzwangen (29,3 Prozent versus 22,7 Prozent in den betrachteten elf Jahren). Diese schlechte Gewohnheit teilen sie freilich mit ihren Kollegen in der EU: In vielen anderen Staaten trieb man es noch weit wilder, so zurückhaltend wie die deutsche Administration ist sonst niemand.

Vater Staat allein ist es nicht

Damit ist die Preisschere im Ganzen aber nicht erklärt. Denn dafür ist der Anteil der Leistungen mit staatlich gesteuerten Preisen im Warenkorb zu klein. Schaut man auf alle anderen Preise, fällt die Inflation der elf Jahre nur um einen Punkt niedriger aus: 21,8 Prozent, immer noch deutlich über den knapp 17 Prozent in Deutschland. Die wesentlichen Extra-Treiber müssen also woanders liegen.

Da wären einmal die Lebensmittel. Ihre Preise stiegen um fünf Punkte stärker als in Deutschland und um sieben Punkte stärker als im EU-Schnitt. Warum? Die extreme Konzentration im Lebensmittelhandel hemmt den Wettbewerb. Dass die Österreicher nur zwischen wenigen Supermarktketten (mit noch weniger Eigentümern) wählen können, kommt sie im Wortsinn teuer zu stehen.

Teure Restaurants und Hotels

Sodann die Gastronomie: Der Tourismus boomt. Viele Wirte können sich erlauben, immer mehr zu verlangen - selbst wenn sich Einheimische mit Besuchen etwas zurückhalten, reißt der Strom der Auslandsgäste nicht ab. Dass die für Österreich so wichtige Branche wenig preissensibel ist, macht sich auch der Fiskus zunutze: Nicht zufällig wurde ein Teil der Steuerreform mit Registrierkassenpflicht und höherer Mehrwertsteuer auf Übernachtungen finanziert. Die Betriebe verrechnen die Zusatzkosten weiter, die Gäste kommen trotzdem. Die Folge: Auch die Preise bei "Restaurants und Hotels" sind seit 2005 um neun Punkte stärker gestiegen als in der Eurozone.

Der größte Brocken kommt zum Schluss: die Mieten. Hier geht die Schere so richtig auf: Während sie in Deutschland nur um moderate 14 Prozent anstiegen, schossen sie in Österreich um 43 Prozent in die Höhe. Der niedrige deutsche Wert mag überraschen, klagen doch auch die Nachbarn über explodierende Wohnkosten. Aber ihr Blick ist verzerrt: Es geht dort um einige wenige Städte. Noch ein (schwacher) Trost für die Österreicher: Sie wohnen auch heute nur wenig teurer als der typische EU-Bürger. Dafür lagen ihre Mietkosten vor elf Jahren noch 15 Prozent unter dem Schnitt.

Was sagen die Ökonomen dazu? Ob die Inflation nun eineinhalb oder zwei Prozent beträgt, halten sie für ziemlich egal. Schädlich aber ist eben diese dauernde Spreizung zu wichtigen Handelspartnern. Sie stellt die Lohnverhandler vor ein Dilemma: Entweder sie halten sich zurück, dann leidet die Kaufkraft und die Konjunktur. Oder sie erhöhen die Löhne adäquat, dann geht die Wettbewerbsfähigkeit verloren. Das Fazit: Österreich muss dringend versuchen, dass es bei den Preissteigerungen mehr Gleichklang mit den Nachbarn schafft.


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