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MEDIENBERICHTE

13. 09. 2017 | PRESSE

"Wir sorgen für den sozialen Frieden"

Interview. Wirtschaftskammerchef Leitl setzt auf Unternehmensnetzwerke mit amerikanischen Eliteuniversitäten. Einer neuen Regierung rät er, sich mit den Sozialpartnern gut zu stellen.

von Gerhard Hofer

Die Presse: Sie waren in den USA. Die Wirtschaftskammer will verstärkt österreichische Unternehmen dabei unterstützen, internationale Kontakte zu knüpfen. Was versprechen Sie sich davon?

Christoph Leitl: Das Exportieren von Waren und Dienstleistungen ist die eine Sache. Aber zu wissen, was in der Welt vorgeht, ist eine andere Sache. Jedes Unternehmen, das an seine Zukunft denkt, muss sich über mögliche neue Geschäftsmodelle informieren. Und da ist ein Blick über die Grenzen hinaus sehr sinnvoll. Die Wirtschaftskammer bietet Unternehmen eine Verbindung zu den besten Netzwerken der Welt.

Sie sprechen die Kooperationen mit den amerikanischen Eliteuniversitäten MIT, Harvard und Stanford an, die Sie vergangene Woche unterzeichnet haben.

Ja, bisher sind derartige Kooperationen nur internationalen Großkonzernen offengestanden. Jetzt können davon auch österreichische Mittel- und Kleinbetriebe profitieren, die sich über ihre Zukunft Gedanken machen.

Ist das nicht wieder nur eine Elite-Kooperation für ein paar Elite-Unternehmen? Die große Masse hat doch ganz andere Sorgen, oder?

Jeder Gewerbebetrieb und jedes Handelsunternehmen steht vor völlig neuen Herausforderungen. Internationalisierung, Migration, technologischer Wandel, Digitalisierung. Wir kennen die Schlagworte. All diese Dinge kommen auf uns zu und bereiten so manchem Unternehmer Sorgen. Wir wollen helfen und begleiten und uns dabei die besten internationalen Experten zunutze machen. Das kostet die Wirtschaftskammer Geld. Dieses Geld erwirtschaften wir aus den jüngsten Reformschritten heraus.

Was kann ein Unternehmer in Harvard oder Stanford lernen?

Er kann sich einen Informationsvorsprung verschaffen. Je früher er sich auf neue Entwicklungen vorbereitet, desto besser kann er diese gestalten.

Müssen Unternehmer in Österreich nicht eher die Politik fürchten, denn neue Entwicklungen? Die jüngste Steuerreform samt Registrierkasse ist noch in leidiger Erinnerung. Nun drohen Vermögenssteuern.

Es sind in der Vergangenheit Dinge passiert, die soll man nicht schönreden. Aber Unternehmer sind gewohnt nicht nach hinten, sondern nach vorne zu blicken. Und wir sehen eine wirtschaftliche Belebung, dass der Tourismus tolle Zahlen präsentiert, dass es auch im Handel und Gewerbe gut läuft. Die Unternehmen haben 50.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und tragen somit viel zum Wohlstand in diesem Land bei. Und ich erwarte von einer neuen Regierung, wie auch immer sie zusammengesetzt sein wird, dass sie den leistungswilligen Mittelstand stärkt und aktiv unterstützt.

Jetzt kann es sein, dass die nächste Regierung nicht aus SPÖ und ÖVP besteht. Was bedeutet das für die Sozialpartnerschaft?

Eine Sozialpartnerschaft muss unabhängig jeglicher Regierungsform funktionieren können. Wir hatten ohnehin schon alle Regierungsformen. Die Sozialpartnerschaft hat unabhängig von der Politik Vorschläge zu machen, wie es diesem Land besser geht.

Muss sich die Sozialpartnerschaft nicht auch selbst verändern? Auch für Sebastian Kurz scheinen Pflichtmitgliedschaften nicht mehr in Stein gemeißelt zu sein.

Wir definieren uns als Sozialpartner über Leistungen. Wir sorgen dafür, dass über die Kollektivverträge sozialer Frieden herrscht. Dass durch diesen sozialen Frieden eine hohe Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet ist. Und dass wir soziale Konflikte auf dem Verhandlungstisch und nicht durch Streiks lösen.

Ist der "Soziale Friede" nicht ein Relikt der Nachkriegszeit? Wir fürchten Terror und Migration, aber keinen Generalstreik in Österreich.

Ja, so lange man gesund ist, ist das eine Selbstverständlichkeit. Ich möchte bei aller Kritik und Selbstkritik - Stichwort: nicht gelungene Einigung bei der Arbeitszeitflexibilisierung - dennoch betonen, dass wir in vielen anderen Dingen sehr gute, praxisnahe Vorschläge gemacht haben. Etwa bei den Themen Migration, Weiterbildung und Frühpensionen. Nun müssen diese Vorschläge von einer kommenden Regierung umgesetzt werden.

Sie gehen also davon aus, dass Vorschläge der Sozialpartner für jede künftige Regierung höchste Priorität haben werden?

Jede Regierung, egal wie sie aussehen wird, wird auf die Unterstützung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer angewiesen sein. Am Ende muss schließlich jede Regierung für Arbeitsplätze, Wohlstand und soziale Sicherheit sorgen. Dabei ist eine gute Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern unverzichtbar.


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