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MEDIENBERICHTE

14. 11. 2017 | KURIER

Diagnose: Pille nicht verfügbar

von anita Staudacher Die Augentropfen wurden schon dringend benötigt, also schnell in die nächste Apotheke. "Leider, das Produkt ist derzeit nicht verfügbar", so die ernüchternde Antwort der Pharmazeutin. Wieder einmal. Heimische Apotheker müssen ihre Kunden immer öfter ohne das gewünschte Präparat wegschicken. In den Spitälern ist die Nicht-Verfügbarkeit dringend benötigter Arzneien bereits ein Problem. "Es gibt keinen Monat ohne irgendeinen Lieferengpass. In den vergangenen fünf Jahren haben Dauer und Häufigkeit zugenommen", bestätigte Martina Anditsch von der Anstaltsapotheke im AKH schon im Sommer dem KURIER. Es dauert Tage, um Arzneien anderweitig aufzutreiben, Ärzte müssen mitunter sogar die Therapien umstellen.

Aber wie kann es sein, dass trotz gesetzlichen Versorgungsauftrages und regulierten Marktes die Medikamente ausgehen? Die Gründe sind vielfältig, zum Teil aber hausgemacht:

Lagerhaltung In Österreich läuft die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung großteils über den Pharmagroßhandel, der mehr als 50.000 Artikel von 2000 Lieferanten vorrätig hat und bis zu zwei Mal täglich an die Apotheken liefert. Das Versorgungsmonopol kippt aber, weil viele Hersteller ihre Kunden inzwischen selbst beliefern. "Die Pharmaindustrie schaltet den Großhandel immer öfter aus und liefert lieber direkt", klagt Monika Vögele, Generalsekretärin des Verbandes der österreichischen Arzneimittelgroßhändler. Firmen wie Herba Chemosan, Kwizda oder Phoenix verlieren dadurch massiv an Umsatz, die Branche der "Vollsortimenter" ist von 25 auf sechs Anbieter geschrumpft. Vögele sieht die Versorgungsqualität in Gefahr. Dazu kommt, dass Hersteller die Produktion drosseln und kaum Vorräte anlegen, sobald niedrigpreisige Generika (Nachahmer-Produkte, Anm.) auf dem Markt sind.

Import-Export Österreich gilt in der Pharmabranche als Niedrigpreisland bei Medikamenten. Es lohnt sich daher, Arzneien in andere Länder zu exportieren. Der freien EU-Warenverkehr erlaubt es. Insider berichten, dass für Österreich bestimmte Kontingente immer öfter in Deutschland oder in der Schweiz landen, weil dort bessere Preise zu erzielen sind. Jan Oliver Huber vom Verband der pharmazeutischen Industrie (Pharmig) sieht die Großhändler in der Pflicht. "Dass Medikamente, die für heimische Apotheken gedacht sind, importiert und dann wieder exportiert werden, ist nicht im Sinne der Hersteller", betont er. Dies sei auch mit ein Grund für die verstärkte Direktbelieferung. "Die Hersteller haben hier viel Geld für die Zulassung ausgegeben, die wollen hier auch die Medikamente verkaufen."

Konzentration Die Pharma-Konsolidierung beschleunigt die Konzentration der Fertigung. Medikamente werden an immer weniger Standorten weltweit "just-in-time" produziert. Bei Antibiotika etwa stammen 80 Prozent der in der EU verkauften Produkte aus nur noch vier Ländern: China, Indien, Brasilien und Mexiko. Die Herstellung von Generika wurde aus Kostengründen fast ausschließlich nach China oder Indien ausgelagert, wo es öfter wegen Produktionsmängeln zu Qualitätsproblemen kommt. Bricht die Lieferkette zusammen, dauert es oft viele Tage, bis ein Medikament wieder zur Verfügung steht.

Preisdeckel Der von der Regierung verordnete Preisdeckel bei Medikamenten könnte die Versorgungslage noch verschärfen. Weil die Pharmafirmen immer weniger verdienen und der Markt noch dazu klein ist, werden vor allem neue Therapien lieber woanders auf den Markt gebracht.

Meldepflicht Um rasch reagieren zu können, müssen drohende Engpässe von den Herstellern gemeldet werden. Aus Sicht mancher Spitäler geschieht das zu unvollständig und zu kurzfristig, um rasch ein Alternativ-Präparat zu ordern. Die Pharmig verspricht, die Informationen zu verbessern.


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