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03.12.2018 | $group

Amazon investiert in Österreich in letzte Meile

Im Lichte des ständig wachsenden Paketmarktes hat der Online-Versandhändler Amazon Anfang Oktober in Österreich sein erstes Verteilzentrum aufgemacht. Die letzte Meile, also das letzte Wegstück beim Transport der Ware vom Paketzentrum zur Haustüre des Kunden, ist das entscheidende Kriterium im Onlinehandel. Amazon will hier nichts dem Zufall überlassen und die Zustellung selbst in die Hand nehmen.

Der US-Konzern will nichts dem Zufall überlassen
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APA

"Einige Millionen" seien in das knapp 10.000 Quadratmeter große Verteilzentrum in Großebersdorf (NÖ) investiert worden, sagte Ralf Kleber, Chef von Amazon Deutschland und Österreich, im Gespräch mit der APA. "Wichtig für uns ist die letzte Meile, deshalb das Verteilzentrum vor Wien, weil da eine Kundenballung ist", so Kleber.

Von Großebersdorf aus arbeitet Amazon Logistics mit neun regionalen und lokalen Geschäftspartnern zusammen, darunter Intersprint, Albatros, Veloce und LTS. Aktuell seien täglich etwa 250 Fahrzeuge im Einsatz. Die heimische Post stellt zwar nach wie vor Amazon-Pakete zu, dennoch räumte Post-Chef Georg Pölzl kürzlich ein, dass die Eigenzustellung des größten Post-Kunden nicht ohne Auswirkungen bleibt. Amazon-Boss Kleber sieht genug Platz für alle: "E-Commerce steckt noch in den Anfängen und ist ein stark wachsendes Feld. Das ist kein Bereich, in dem ein Verdrängungswettbewerb herrscht."

Im österreichischen Verteilzentrum von Amazon sollen im Endausbau 150 Mitarbeiter arbeiten, die Personalaufnahme läuft noch. In Deutschland stehen Amazon und die Gewerkschaft verdi seit Jahren im Clinch. Streitpunkt ist die Bezahlung der Beschäftigten in den Logistikzentren. Die deutsche Gewerkschaft fordert, dass die Amazon-Beschäftigten nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. Amazon betonte bisher, man könne auch ohne einen solchen Vertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein.

In Österreich dürfte es besser laufen. "Wir wissen von dem Verteilzentrum und beobachten das natürlich. Bis jetzt sind uns aber überhaupt keine Auffälligkeiten bekannt", sagte Peter Stattmann von der Gewerkschaft GPA-djp in Niederösterreich auf APA-Anfrage. Auch etwaige offene gewerberechtliche Verfahren sind vom Tisch. Nach Angaben von Bezirkshauptfrau Gerlinde Draxler sind bei der BH als Gewerbebehörde keine Verfahren mehr anhängig, die Amazon-Sache ist aus ihrer Sicht abgeschlossen, hieß es zur APA.

Georg Hoffinger (ÖVP), Bürgermeister von Großebersdorf, sprach davon, dass es zu Beginn Schwierigkeiten mit den Auslieferfahrzeugen gegeben habe, nach zwei bis drei Gesprächen wurden diese Probleme aber ausgeräumt. Amazon sei dabei sehr bemüht gewesen. Der Ort selbst wird aufgrund der Lage des Verteilzentrums wenig berührt, die Ab- und Zufahrten laufen nun einzig und allein über die Brünner Straße und stellen daher keine Belastung dar. Das soll sogar so gut laufen, dass Amazon eigenes Personal zum "Ein- und Ausweisen" beschäftigt, sagte der Bürgermeister, der das selber beobachtet haben will. Insgesamt ortete Hoffinger eine gute Basis mit Amazon und auch eine Akzeptanz in der Bevölkerung. Als potenzieller Arbeitgeber wird der Online-Riese von den Bürgern in seiner Gemeinde aber nicht wirklich wahrgenommen, findet Hoffinger.

Melanie Erasim, Bezirksvorsitzende der SPÖ Mistelbach, meinte, dass die Bevölkerung "keine groben Probleme" mit dem Verteilzentrum hat, aber doch eine gewisse "abwartende Haltung" vorherrscht. Da die Post und DHL in Hagenbrunn stationiert sind, komme es am Vormittag schon zu einem sehr hohen Verkehrsaufkommen, wenn die Autos aller drei Unternehmen zur selben Zeit ausfahren. In dieser Hinsicht gebe es auch "Angst" in der Bevölkerung, dass dies den Verkehr zum Kollabieren bringen könne. Jede Betriebsansiedelung sei grundsätzlich zu begrüßen, allgemein müsse man bei Unternehmen wie Amazon aber schon sehr genau schauen und vor allem auch die Arbeitsbedingungen kontrollieren.

Derzeit wird von Großebersdorf aus hauptsächlich der Großraum Wien beliefert. Fragen nach weiteren Verteilzentren oder gar einem eigenen Amazon-Warenlager beantwortet Kleber ausweichend: "Wir haben ein Team von Logistikexperten, das sich um die Standortplanung kümmert." Auch sonst hält sich Kleber mit Ankündigungen zurück. "Wenn wir einen neuen Service in Wien einführen würden, dann muss dieser für den Kunden bereit stehen an dem Tag, wo wir darüber reden. So laufen alle Launches weltweit. Wir machen keine Vorab-Ankündigungen."

In Österreich ist der Onlinehandel fest in der Hand von Amazon. Das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI schätzt den Umsatz in Österreich auf 643 Mio. Euro, dabei sind hier Film- und Musik-Streamingdienste sowie Waren, die Dritthändler auf Amazon anbieten, noch gar nicht mitgerechnet - denn hierfür kassiert der Onlineriese Provision. Alles zusammen dürfte sich der Umsatz von Amazon in Österreich auf mehr als 1,2 Mrd. Euro belaufen. Der zweitplatzierte Onlinehandler Zalando kommt laut EHI nur auf 230 Mio. Euro.

Seitens der Wirtschaftskammer werden seit Jahren die ungleichen Wettbewerbsbedingungen von Amazon und Händlern in Österreich angeprangert. Die Steuerpraktiken von Amazon sind auch im Visier der EU. Derzeit beschäftigt die Kammer, ob das neue Verteilzentrum in Niederösterreich ein reines Auslieferungslager ist oder eine Betriebsstätte. "Aus heutiger Sicht kann die Frage, ob das Lager von Amazon steuerlich als Betriebsstätte zu werten ist, nicht eindeutig beantwortet werden. Das Unternehmen wurde neu gegründet und wir wissen nicht, in welchem Umfang das Logistikzentrum zum Unternehmenserfolg in Österreich beitragen wird. Am Ende des Tages wird es auch um die Frage gehen, welche Gewinn man dieser Betriebsstätte in Österreich zuteilen wird (Stichwort: Verrechnungspreise)", so Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der WKÖ, zur APA.

"amazon.de" ist der zweitwichtigste Markt für Amazon weltweit. Wenn man von Österreich aus bei dem Onlinehändler einkauft und "amazon.at" eingibt, wird man zu "amazon.de" umgeleitet. "Österreich ist ein sehr sehr wichtiges Standbein für Amazon. Unmittelbar nach dem Start in Deutschland (Anm. 1998) sind wir auch für österreichische Kunden (Anm. 1999) an den Start gegangen", sagte Kleber. Mittlerweile sind auf "amazon.de" 300 Millionen Artikel kaufbar.


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