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13.09.2018 | $group

Boehringer Ingelheim übernimmt ViraTherapeutics

Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim tätigt ein großes Investment in Österreich. Das zweitgrößte deutsche Pharma-Unternehmen mit einem Umsatz von rund 18 Mrd. Euro im Jahr 2017 übernimmt für insgesamt 210 Mio. Euro die Innsbrucker Biotechnologie-Firma ViraTherapeutics. Es engagiert sich in der Entwicklung von onkolytischen Viren als Immuntherapeutika gegen Krebserkrankungen.

Innsbrucker Biotechnologie-Firma geht an den deutschen Konzern
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APA (dpa)

"Die Akquisition stärkt das Engagement von Boehringer Ingelheim in der Erforschung und Entwicklung viraler immunonkologischer Behandlungsoptionen für Krebspatienten", teilte Boehringer Ingelheim am Donnerstag in einer Aussendung mit. "Boehringer Ingelheim ist bereits seit 2016 bei ViraTherapeutics gemeinsam mit EMBL Ventures engagiert. Wir arbeiten an der Entwicklung einer Plattform für Therapien mit onkolytischen Viren auf der Basis von veränderten Vesicular Stomatitis Viren und haben in präklinischen Modellen gute Ergebnisse erzielt", sagte Knut Elbers, der aufseiten von Boehringer Ingelheim in Zukunft bei ViraTherapeutics federführende Managing Director. ViraTherapeutics wird zu einer eigenen Einheit in der Forschungsorganisation des deutschen Konzerns. Das Biotech-Unternehmen mit 19 Beschäftigten arbeitet in Innsbruck weiter wie bisher.

ViraTherapeutics hat sich einer Technologie unter Verwendung von Vesicular Stomatitis Viren (VSV) verschrieben. Sie sind die Erreger von Krankheiten bei Tieren, verursachen aber kaum Erkrankungen beim Menschen. "Bei dem Virus wird das Oberflächenantigen durch ein Glykoprotein des Lymphozytischen Choriomeningitis Virus (LCM; Anm.) ersetzt", sagte Elbers. VSV-GP (VSV mit dem vom LCM-Virus stammenden Glykoprotein an seiner Oberfläche) soll als Immuntherapeutikum auf mehrfache Weise wirken: Erstens infiziert es selektiv Tumorzellen, weil diese biologisch empfänglicher für die Infektion mit VSV-GP sind. Die Viren vermehren sich in den bösartigen Zellen und zerstören sie. Zusätzlich dürfte die Infektion das Einwandern von Immunzellen und somit eine Stärkung der Immunantwort gegen Tumoren fördern.

VSV-GP von ViraTherapeutics soll wegen einer geringen Abwehrreaktion gegen das Virus selbst mehrfach anwendbar sein. Das LCM-Virus-Glykoprotein fungiert wie eine Tarnkappe. Sie schützt VSV-GP teilweise vor der Erkennung durch das Immunsystem. "Wir denken an die Kombination mit anderen Immuntherapeutika", sagte Elbers. So könnte die Anwendung von VSV-GP mit bereits vorhandenen anderen Krebs-Immuntherapien, zum Beispiel mit den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren (monoklonale Antikörper gegen PD-1 oder PD-L1 auf Tumor- oder Immunzellen), oder anderen Medikamenten zur Stärkung der Immunabwehr erfolgen. VSV-GP könnte auch eine Strategie darstellen, um immunologisch "kalte" Tumoren für das körpereigene Abwehrsystem besser erkennbar zu machen.

ViraTherapeutics ist 2013 gegründet worden. Die wissenschaftliche Basis stammte von Arbeiten der Direktorin der Sektion für Virologie der MedUni Innsbruck, Dorothee von Laer, und ihrem Team mit Biochemikerin Lisa Egerer, welche bei dem Unternehmen als Chief Operating Officer fungiert.

Boehringer Ingelheim ist sowohl in Forschung als auch in Produktion sehr stark in Österreich engagiert. Es hat ehemals das Institut für Molekulare Pathologie (IMP) für Grundlagenforschung in Wien gegründet. In Wien wurde die gesamte Krebsforschung des Unternehmens konzentriert. Derzeit investiert der Konzern in Wien rund 700 Mio. Euro für eine neue Biotech-Produktionsanlage, in der Arzneimittelwirkstoffe auf der Basis genveränderter Zellen produziert werden sollen. Mit seinem Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF) von rund 250 Millionen Euro engagiert sich der Konzern derzeit bei 22 innovativen Unternehmen im Medizinbereich.

Große Pharmaunternehmen haben im vergangenen Jahrzehnt immer wieder hohe Summen in Biotech-Unternehmen in Österreich investiert. 2010 ließ der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) damit aufhorchen, für Lizenzen von Affiris (Alzheimer-Impfstoff) und Apeiron (ACE2-Enzym zur Behandlung von Lungenversagen) bei erfolgreicher Entwicklung bis zu 666 Mio. Euro zahlen zu wollen. Ende 2014 übernahm der Schweizer Pharmakonzern Roche hat das österreichische Biotechnologieunternehmen Dutalys für bis zu 590 Millionen US-Dollar (509,76 Mio. Euro). Dutalys ist auf die Entwicklung von bispezifischen monoklonalen Antikörpern spezialisiert.


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