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10.10.2017 | $group

APG-Vorstand: "Strom à la carte ist Vergangenheit"

Der Umbau des Energiesystems hin zur Erzeugung aus erneuerbaren Quellen und zur Elektromobilität führen zu Problemen bei der Versorgungssicherheit, weil bei der Energiewende der Ausbau der Übertragungsnetze bei weitem nicht rasch genug erfolgt und die vorhandenen Stromspeicher nicht ausreichen - davor warnten Branchenvertreter bei einem Pressegespräch in Wien.

Schnellerer Ausbau der Übertragungsnetze gefordert
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APA (Gindl)

"Strom à la carte ist Vergangenheit", sagte Gerhard Christiner, Technik-Vorstand der Verbund-Übertragungsnetz-Tochter Austrian Power Grid (APG), in Anspielung auf das Thema der diesjährigen Fachtagung der Österreichischen Gesellschaft für Energietechnik (OGE), die vom 12. bis 13. Oktober in Salzburg stattfindet. Es sei nicht mehr wie früher möglich, für den nächsten Tag zu planen und aus einem Erzeugungsmix von Wasserkraft, thermischen Kraftwerken und Pumpspeichern den Kunden das beste Portfolio anzubieten, sagte Christiner. Vielmehr bekomme man ein Menü aus Wind und Photovoltaik ergänzt um Wasserkraft, das im Optimalfall passen könne, "oder aber, es ist sehr schwer verdaulich, weil einfach viel zu viel Wind da ist, zu viel Strom für das, was unsere Netze vertragen können".

Der Weg in Richtung Dekarbonisierung sei nicht aufzuhalten, "aber beim Netzausbau haben wir große Probleme", sagte Christiner. Die Diskussion über die Strommarkttrennung von Österreich und Deutschland bedeute ja nichts anderes, als dass es an Kapazitäten fehle, um die Menge aus Erneuerbaren-Strom von Deutschland nach Österreich zu bringen. Ein großes Problem sei auch das Fehlen der Salzburg-Leitung: "Wir haben ausreichend Wasserkraft im Westen Österreichs, aber wir bringen es nicht in den Osten. Immer, wenn kein Wind geht und keine Sonne ist, dann gibt es Riesendefizite im Osten", sagte der APG-Vorstand. Dann müssten thermische Kraftwerke einspringen. "Diese Redispatch-Maßnahmen, das bewusste Hochfahren von thermischen Kraftwerken, die an sich stehen würden, haben schon eine Größenordnung von 270 Millionen Euro erreicht, nur in diesem Jahr." Bei den Genehmigungsverfahren hinke man massiv hinter dem Ausbau der Erneuerbaren hinterher, beklagte Christiner.

Speicher können im Winter nicht aufgefüllt werden

Derzeit werde nur bei volatilen Erzeugern zugebaut, die aber für eine Vollversorgung nicht ausreichend seien, sagte auch E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. "Wir sind schon lange nicht mehr in der Lage, uns aus eigener Kraftwerksleistung zu versorgen", so Eigenbauer. Es gebe in Österreich zwar sehr viel Speicherkapazität, die ausreiche, um 70 bis 80 Prozent der Endkundenlast zu decken. Aber auch diese Speicher müssten aufgefüllt werden, und das sei gerade im Winter nicht möglich - "die Natur geht nun einmal in den Winterschlaf", daher brauche man auch Stromerzeugung aus Brennstoffen, um auch längere Phasen mit geringer Erzeugung aus Erneuerbaren überbrücken zu können.

Einen gewissen Spielraum habe man durch die Lenkung beim Endkundenverbrauch - aber nur etwa 40 Prozent dieses Verbrauchs seien lenkbar, sonst müsste man "die Industrie in Österreich in den Winterschlaf schicken". Die Laststeuerung durch Smart Meters sei also eine wichtige Stoßrichtung, "aber das quantitative Ergebnis, das man aus diesem Weg erwarten kann, liegt vielleicht in einer Größenordnung von ein-, zweitausend Megawatt, aber nicht mehr". Man dürfe nicht von der Vorstellung ausgehen, "dass der Kunde aktiv etwas tut" um seinen Stromverbrauch zu steuern. Allenfalls würden die Kunden bei neuen Stromlieferverträgen "ein Kasterl anklicken, und bei dem Kasterl wird stehen 'Maschinenkommunikation freigeben, ja oder nein?'", so Eigenbauer.

Deutlich mehr Schwankungen im Stromnetz

Industriebetriebe wie der Halbleiter-Produzent Infineon hätten gar nicht die Möglichkeit ihr Verbrauchsverhalten anzupassen, erklärte Infineon-Austria-Vorstand Thomas Reisinger. "Wir haben ein Anlagevermögen von 1,5 Milliarden nur am Standort Villach. Die Anlagen sind hochsensibel, sie arbeiten 365 Tage im Jahr rund um die Uhr." Abschaltungen gebe es nur ungewollt durch Schwankungen im Stromnetz. Heuer habe man 26 Schwankungen gehabt, deutlich mehr als noch vor einigen Jahren.

Die Idee, Batterien von Elektroautos künftig als Speicher zum Ausgleich kurzfristiger Verbrauchsschwankungen zu nützen, beurteilt E-Control-Vorstand Eigenbauer vorsichtig. "Wenn die Batterie im Eigentum des Endkunden ist, wir er wahrscheinlich den Zugriff nicht erlauben." Dabei gehe es u.a. um die Frage der Lebensdauer der Batterie oder um Reichweitenfragen. Auch seien Autobatterien nur geeignet, um Tagesschwankungen auszugleichen.

Schnellladestationen sind "ein rotes Tuch"

Auch Meldungen über neue Geschwindigkeitsrekorde beim Laden von Autobatterien sieht Eigenbauer kritisch. "Schnellladestationen sind für uns ein rotes Tuch", denn es gehe nicht nur um die Energiemenge, sondern die Stromnetze müssten an die zusätzlich benötigte Leistung angepasst werden. Es gebe Untersuchungen aus Deutschland, wonach nur 20 Prozent Schnellladestationen zu einer Verdoppelung der Last führen würden. "Das werden wir so nicht zulassen können." Ein paar Schnellladestationen an den Autobahnen seien kein Problem, erklärte Walter Tenschert von der Salzburg AG. "Aber wenn jeder Haushalt schnell laden will, dann muss sich jeder Haushalt eine Trafostation hinbauen."

Die in Wien bis 2020 geplanten tausend Ladepunkte an 500 Säulen seien kein Problem, sagte OGE-Vorsitzender Johannes Vavra von den Wiener Netzen. Es gehe dabei nicht um Schnellladestationen, das sei von den Trafostationen her "jedenfalls verkraftbar, durchaus auch mehr". Die Frage sei aber: "Ist Laden auf öffentlichem Grund überhaupt die Lösung? Ich glaube nicht, weil Laden dort stattfinden sollte, wo sich das Auto länger aufhält."


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